„Kreative Entwicklungsräume“

Grundsätzlich sind alle Projektgruppen von diesem Thema betroffen. Der Fokus soll hier aber auf einer Wertschöpfungskette liegen (nicht betriebswirtschaftlich verengt, sondern im Kontext von Kunst und Wirtschaft), an deren Anfang die (Aus)Bildung und am Ende der gesellschaftliche Nutzen/Wert eines Produkts, einer Dienstleistung etc. stehen. An den Scharnierstellen zwischen Kunst, Gestaltung und Wirtschaft befindet sich die Kreativwirtschaft (Architektur, Design in allen Spielarten, Musikwirtschaft, Verlage, Film, Galerien u.v.m.). Nach Untersuchungen von Richard Florida u.a. sind für eine erfolgreiche Generierung kreativer Räume im obigen Sinn vor allem die „3 T“ (Toleranz, Talent, Technologie) sowie kulturelle Vielfalt Voraussetzung.

Die Ausbildungssituation in Dornbirn/Vorarlberg ist diesbezüglich suboptimal, weil wichtige Studienangebote im tertiären Sektor fehlen (nicht nur Geistes- und Kulturwissenschaften oder Kunst und Gestaltung, sondern auch im Bereich der Technologie), und weil es einen brain drain aus der Region hinaus gibt. An der FH Vorarlberg ist der Studienzweig Intermedia am ehesten mit den Anforderungsprofilen eines „kreativen Milieus“ kompatibel. Die auch in Frage kommenden Studiengänge Informatik und Soziale Arbeit weisen in ihrem jeweiligen Profil keinerlei Bezüge zu kulturellen Feldern auf. Anknüpfungspunkte bietet auch die HTL Textil, die Polytechnische Schule mit den Fächern Gesundheit/Soziales, Multimedia und Tourismus, sowie die Werbe- und Designakademie des WIFI mit Grafikdesign und Marktkommunikation.

Da im Ausbildungsbereich große Lücken bestehen, ist die Schaffung von realen Räumen umso wichtiger, in denen kreative Milieus entstehen bzw. wachsen können. Vorhanden sind seitens der wirtschaftsorientierten Einrichtungen der Campus Dornbirn mit 2 Gebäuden und über 40 Unternehmen, mit dem designforum dornbirn (das auch Weiterbildung anbietet) und dem Competence Center. Seitens der kunstorientierten Einrichtungen sind es v.a. VAI, Kunstraum, Spielboden (z.B. das Format Poolbar Generator) und die Alte Stadthalle.

Die Infrastruktur des TIK in der Alten Stadthalle wird offenbar auch von Fachhochschul-Studierenden genutzt. Fest steht allerdings, dass solch marginale Berührungspunkte zwischen einzelnen „Playern“ viel zu wenig sind, um das Potenzial für die Entstehung kreativer Räume und gegenseitiger Befruchtungen auszuschöpfen.

Zu überlegen wäre, inwieweit a) von vorhandenen Strukturen aus (z.B. Competence Center, Spielboden, TIK...) oder/und b) mit Hilfe neuer Plattformen die Vernetzung auf breitere Beine gestellt werden könnte. Die Ende Februar vom Competence Center veranstaltete Pecha Kucha Night mit unterschiedlichen Disziplinen (Web, Grafik, Fotografie...) ist Beispiel für ein gutes Netzwerk-Format, das sich aber ohne Zweifel verbreitern ließe.

Nachhaltige strukturelle Vernetzungen brauchen allerdings auch entsprechende räumliche Voraussetzungen. Vision: mit der Stadthalle verfügt Dornbirn z.B. über ein Gebäude, dessen Zukunft noch ungewiss ist. In ihm könnten günstige Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden, in denen künstlerische Ateliers, Agenturbüros, Spin offs von der Fachhochschule Vorarlberg oder andere einschlägige Einrichtungen und Initiativen ein kreatives Umfeld finden. Es gibt diesbezüglich schon genug Modelle und Erfahrungen.

Die „kreativen Entwicklungsräume“ im weiteren Sinn (z.B. die „Schwerpunkt-Räume“, siehe „Ansprüche der Öffentlichkeit“) sollten selbstverständlich auch als Teil der gesamtgesellschaftlich verstandenen Wertschöpfungskette begriffen und unter Vernetzungsaspekten diskutiert werden.

Daraus ergeben sich folgende Diskussionsanregungen:

1)     Welche atmosphärischen Faktoren sind aus Ihrer Sicht wichtig, damit sich kreative Entwicklungsräume in Dornbirn noch weiter öffnen können?

2)     Wo gibt es stärkere Anknüpfungspunkte und Kooperationsachsen zwischen kulturellen und wirtschaftlichen Belangen?

Kontakt

Mag. Jörg Roland
Amt der Stadt Dornbirn
Kultur und Weiterbildung
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